Die Macht der Worte

Erst beim Schreiben meines letzten Artikels habe ich wieder bemerkt, wie schwierig es sein kann, Worte wie „muss“, „sollte“ oder „eigentlich“ zu vermeiden. Vielleicht ist dir ja selbst auch schon aufgefallen, wie bestimmte Worte ein negatives Gefühl auslösen können, und sei es nur unterbewusst? Ich habe zum Beispiel schon sehr oft Sätze gesagt wie „Dieses Buch muss ich endlich einmal lesen!“. Gemeint habe ich damit natürlich, dass mich das Buch sehr interessiert, und ich es bald lesen möchte. Allein diese Formulierung löst aber unter Umständen schon Stress aus. Durch das Wort „muss“ fühle ich mich vielleicht fremdbestimmt, als wäre ich es plötzlich jemandem schuldig, dieses Buch zu lesen (meinem Gesprächspartner zum Beispiel). Das Wörtchen „endlich“ fügt dann noch den Zeitfaktor hinzu – habe ich das Buch wirklich schon seit 10 Jahren auf meiner „Leseliste“?! -, und damit vielleicht sogar Schuldgefühle oder das Gefühl, versagt zu haben. Das Alles ist natürlich nicht rational, aber die unterbewusste Wirkung von Sprache kann groß sein.

Wenn du das nächste Mal sagst, dass du etwas tun MUSST, kannst du dir folgende Fragen stellen:

  • Warum glaube ich, das tun zu müssen?
  • Welche Vorteile bringt mir die Handlung?
  • Welche negativen Konsequenzen des Nicht-Tuns möchte ich vermeiden?
  • Warum belastet mich diese Handlung?
  • Belasten mich vielleicht sogar nur bestimmte Umstände, die ich beeinflussen könnte (Zeitpunkt)?
  • Kann ich die Vorteile auch auf eine andere Weise erreichen, die ich als positiver empfinde?

Wahrscheinlich wirst du in vielen Fällen feststellen, dass du die eigentliche Handlung a) gar nicht so schlimm findest oder sogar gerne machst, und/oder b) es durchaus Alternativen gäbe, du dich aber bewusst für diese Variante entschieden hast. Dann überlegst du dir am besten eine positivere/neutralere Formulierung. Statt „Ich muss heute noch einkaufen gehen.“ kannst du zum Beispiel sagen „Ich möchte heute noch einkaufen gehen, weil ich mich auf frisches Brot zum Abendessen freue.“ – das klingt doch schon viel selbstbestimmter, oder?

Wenn du sagst, dass du etwas tun SOLLTEST, bedeutet das wahrscheinlich, dass jemand (vielleicht du selbst) diese Handlung von dir erwartet, während dir der innere Antrieb dazu fehlt oder die Umstände gerade nicht stimmen. Wahrscheinlich fühlst du dich sogar schuldig, weil du nicht handelst. Meistens fehlt dann eine klare Entscheidung für oder gegen diese Handlung. Folgende Fragen können dir helfen:

  • Warum glaube ich, dass ich das tun sollte?
  • Hat die Handlung mit meinen eigenen Zielen zu tun?
  • Wenn ja, was hindert mich an der Umsetzung?

Sobald du diese Fragen für dich geklärt hast, kannst du auch daraus wieder positivere Sätze bauen, wie „Ich werde das bewusst nicht tun, weil es nicht meinen Zielen entspricht / mir den Aufwand nicht wert ist / ….“. Wenn du dich aber dafür entscheidest, kannst du jetzt störende Faktoren aus dem Weg räumen, konkrete Wege zur Umsetzung finden, und zum Beispiel sagen „Ich werde ab jetzt regelmäßig Sport machen, weil mir meine Gesundheit wichtig ist.“.

Beobachte doch einmal, wie bestimmte Worte auf dich wirken, oder warum du genau diese Formulierung benutzt hast. Vielleicht bist du damit schon auf dem halben Weg zur Lösung deiner Probleme?